Leben in Zeiten von Corona – zwischen Beschäftigung und Prokrastination

Eigentlich wäre ich in diesen Tagen in extremen Aktivismus verfallen, denn einerseits will/muss ich meine ehemalige Hexenküche bis zum Ende des Monats möglichst komplett geräumt haben, andererseits hätte ich ab Montag drei Wochen Urlaub und wollte mit einem Freund in den Kletterurlaub fahren.

Der Urlaub ist aus nachvollziehbaren Gründen auf unbestimmte Zeit verschoben, frei habe ich aber trotzdem. Aber ich bin leider nur sehr begrenzt motiviert, etwas zu tun. Dazu kommt, dass ich derzeit latente Dauerkopfschmerzen habe, die mich auch nicht so richtig glücklich machen.
Was folgt daraus? Genau, ich puzzle hier ein bisschen herum und mache da ein bisschen was, aber nichts so richtig voller Elan. Wohnung aufräumen putzen? Kann ich auch noch in den kommenden Wochen. Zur Hexenküche fahren auch … Naja, da ist allerdings wirklich noch einiges zu tun und vor allem sehr viel, das auf den Recyclinghof soll. Genauso wie einiges aus meinem Keller, damit ich die Dinge, die ich auf die Schnelle nicht mehr verkaufen kann, da irgendwie noch unterbringe. Falls jemand Kosmetikrohstoffe, Formen, Tiegel, Flaschen etc. pp. gebrauchen kann: Meldet euch bei mir.

Ich habe es heute immerhin geschafft, das gesammelte Altpapier und den Müll rauszubringen, mir was zu kochen und meinen kaputten Lieblingsbecher ein bisschen weiter zu kleben. Das dauert leider, weil ich ein Teil schief eingesetzt habe, es aber auch nicht mehr herausbekomme und nun den Rest ganz vorsichtig zurechtschleifen muss.

Außerdem habe ich mein Strickzeug mal wieder ausgebuddelt und ein bisschen an meiner Socke weitergestrickt. Normalerweise stricke ich ja zwei Socken gemeinsam auf einer Rundstricknadel, hier hatte ich allerdings ein Nadelspiel genommen – und wie immer war die erste Socke fertig und bei der zweiten verließ mich die Lust. Jetzt ist vermutlich die Zeit gekommen, all diese angefangenen Projekte zu beenden. Ich habe noch mindestens zwei angefangene Pullover im Schrank und sicher noch mehr Socken.

Und weil wir alle ja in nächster Zukunft vermutlich deutlich mehr zuhause sein werden als üblich (ob nun ein Lockdown kommt, wie in einigen Bundesländern, oder „nur“ eine freiwillige Ausgangssperre herrscht), dachte ich mir, ich sammle mal, was man so alle machen kann:

  • Stricken oder Häkeln – wer es noch nicht kann, kann es lernen, es gibt tolle Tutorials auf YouTube
  • Zeichnen – ich bin da total unbegabt, habe aber Lust, es mal wieder zu versuchen. Stifte habe ich mehr als genug. Auch hier gibt es reichlich gute Tutorials auf YouTube
  • Ein Instrument spielen – in meinem Fall vor allem Querflöte, kann ich ein bisschen, will ich wieder besser können. Auch dafür habe ich neben meinen gesammelten Noten eine App (tonestro), mit der ich derzeit vor allem noch sehr einfache Volkslieder spiele
  • Backen – das geht irgendwie immer und mit dem Ergebnis kann man auch die vom musikalischen Üben genervten Nachbarn besänftigen. Natürlich sollte man nicht auf die Backware niesen und den Mindestabstand bei der Übergabe wahren!
  • Kochen. Macht satt und glücklich und man kann sich total kreativ austoben. Von Nudeln mit Klopapier rate ich allerdings ab.
  • Puzzles legen. Habe ich ewig nicht mehr gemacht, weiß auch noch nicht, ob ich es wieder machen werde, aber ich habe welche hier.
  • Wer nicht alleine wohnt: Gesellschaftsspiele spielen!
  • Virtuell ins Museum gehen. Unglaublich viele Museen bieten kostenlose virtuelle Rundgänge an. Das gleiche gilt für Zoos, Theateraufführungen etc.
  • Netflix, Amazon Prime etc. haben auch einiges an Ablenkung zu bieten (nutze ich aktuell zu viel, aber hey, ein Laster braucht der Mensch!).
  • Audible hat bis zum 19.04. ein paar Hörbücher kostenlos für alle im Angebot (ja, ohne Abo). Schaut euch mal um, vielleicht ist etwas für euch dabei. Übrigens auch auf Englisch – da kann man dann gleich seine Sprachfähigkeiten auffrischen.
  • Wer eine hat: Die Murmelbahn mal wieder aufbauen. Ich bin stolze Besitzerin einer Cuboro und werde diese ganz sicher in den nächsten Wochen wieder fleißig nutzen
  • Fremdsprachen lernen. Ich bin ein großer Fan von Rosetta Stone, die gerade ihr Lifetime-Angebot auf alle angebotenen Sprachen ausgeweitet haben (nur mein bestehender Account wurde noch nicht geswitcht, da muss ich mal nachhaken, bin mit Französisch und Arabisch aber auch mehr als ausgelastet).
    Alternativ bieten sich aber auch Babbel oder Duolingo an.
  • Und natürlich, Sport machen. Das geht auch in der Wohnung, wie einige sehr lustige Videos zeigen, die derzeit viral gehen. Es geht aber auch mit Eigengewichtsübungen (mit und ohne Anleitung), mit Yoga, einem Hometrainer und vielen anderen Dingen. Es gibt tolle Yoga-Anleitungen im Netz (Yoga mit Adrienne auf YouTube, YogaBurn und einiges mehr), für die allgemeine Fitness nutze ich gerne Kernwerk oder Freeletics.
  • Wer schon immer mal darüber nachgedacht hat, ein Buch zu schreiben, hat vermutlich nie wieder so viel Zeit wie in den kommenden Monaten. Tut es, es macht Spaß (auch, wenn einen die Figuren sehr gerne mal in den Wahnsinn treiben!). Ihr braucht dafür nur Notizbuch und Stift oder Rechner und Textverarbeitungsprogramm. Wer ein deutlich komfortableres Programm möchte, dem kann ich Scrivener ans Herz legen (andere Autoren schwören auf Papyrus Autor).
  • Und last but not least: Lesen. Bücher sind toll! Man trifft auf so viele wunderbare Kulturen, reist in andere Welten, lernt schrullige Figuren kennen. Und der lokale Buchhandel freut sich über Bestellungen (falls das nicht klappt, ist natürlich auch ein ebookreader eine Idee, besonders, wenn man eine Anbindung an die onleihe oder Kindle Unlimited bzw. vergleichbare Angebote nutzt).

 

Vorhin traf ich meine direkten Nachbarn im Treppenhaus. Wir haben uns mit dem gebotenen Sicherheitsabstand kurz unterhalten. Sie ist jetzt im Homeoffice, wir haben also die Möglichkeit, unsere Isolation ein bisschen zu unterbrechen, indem wir uns im Treppenhaus oder von Balkon zu Balkon unterhalten. Das wird auch noch eines meiner Projekte: Meinen Balkon aufzuräumen und herzurichten, damit ich möglichst viel draußen sitzen kann.

Neben all diesem Optimismus erwischt mich hin und wieder aber auch die Erkenntnis, wie surreal das alles ist. Als ich vorhin den Müll rausbrachte, war es viel stiller auf den Straßen als üblich. Keiner meiner Nachbarn war zu sehen, auch nicht auf den Balkonen. In der Ferne war ein Martinshorn zu hören, das normalerweise im Stadtlärm untergegangen wäre. Alles in allem scheint so langsam ins kollektive Bewusstsein zu sickern, dass es ernst ist.

Wer die Zahlen und Hochrechnungen verfolgt, ahnt, dass es in ein paar Wochen nicht vorbei ist. Es kommen spannende Zeiten auf uns zu. Und wie Bilbo Beutlin bin ich mir noch nicht sicher, ob ich wirklich in diesen leben will, aber mir bleibt ja gar nichts anderes übrig. Also machen wir alle das Beste daraus!

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