Rezension Lara Adrian: Geliebte der Nacht

Ich gestehe, dass ich hin und wieder Schund lese. Die Gestaltwandler-Reihe von Nalini Singh habe ich verschlungen, genauso die bisher erschienenen Bänder ihrer Engel-Reihe.
So kam ich dann bei einer Freundin an die Vampirbücher (Midnight Breed-Reihe) von Lara Adrian und habe mir – weil die Freundin recht weit weg wohnt und ich nicht eines ihrer Bücher entführen wollte – den ersten Band auf meinen Kindle geladen.

Tja. Was soll ich sagen? Ich habe es tapfer bis zum Ende gelesen, das muss wohl an meiner Neugier liegen. Die Sprache ist grottig, was natürlich auch an der Übersetzung liegen kann, aber mit Sicherheit nicht alleine. Wobei manches eben doch: Dass im Deutschen noch immer wahllos ein „Sie“ gesetzt wird, wenn im amerikanischen Originaltext „you“ steht, stört mich häufiger mal – man kann nämlich sehr gut aus dem Kontext ableiten, wie die Personen sich wohl bei uns anreden würden. Und ganz ehrlich: Wenn ich gerade die Frauen der Stammesgefährten meines Lovers kennenlerne und eine davon zumindest optisch gerade mal 18 ist, dann sieze ich sie nicht – würde ich ja auch nicht machen, wenn mein Freund mich seinen Kumpels und deren Freundinnen vorstellt, auch wenn wir lange nicht mehr 18 sind!
Sätze, deren Ende nicht zum Anfang passen, zeugen auch von schlechter Übersetzung, und wenn ich mir ansehe, dass das Buch in den USA nur wenige Monate vor der deutschen Ausgabe erschienen ist, dann macht das auch Sinn, denn für die Übersetzung blieb einfach viel zu wenig Zeit, so dass sie mit der heißen Nadel gestrickt wurde.

Gut, kommen wir zurück zum Inhalt. Gabrielle, 27, jung, schön, introvertiert und aufstrebende Fotografin, hat eine kleine Handvoll guter Freunde, geht mit diesen feiern und nimmt als einzige den Überfall auf einen jungen Mann durch Vampire wahr. Als sie mit ihrem Handy Fotos davon macht, ist das eigentlich recht schlau, doch bei der Polizei will ihr keiner glauben.
Bis der wahnsinnig gut aussehende Polizist Lucan Thorne auftaucht, ihr Handy mitnimmt (in Zeiten moderner Technik hätte ich persönlich ihm die Bilder auf einen Stick gezogen, der in diesem Roman dank der Übersetzerin übrigens permanent als Datenstift bezeichnet wird – mein Handy gehört mir, das bekommt keiner!) und die Bilder auswertet. Und sich gar nicht als Polizist, sondern als Vampir entpuppt. Und als extrem heißer, unermüdlicher Lover mit einer Dauererektion, die in einer Amazon-Rezension mit einer 1,5l-PET-Flasche verglichen wurde. Check – ja, die Beschreibungen lassen so etwas vermuten. Aua.

Die erste Sexszene der beiden fand ich noch ganz nett, der Rest war dann nur noch müder Abklatsch. sie wird geil, er wird geil, er beißt sie nicht, weil das gegen irgendeinen verdammten Kodex bei ihm geht, dafür fickt er sie hart und verpasst ihr diverse Orgasmen. Und am Ende verschwindet er wie ein Schatten in der Nacht und ist ganz schrecklich entsetzt, weil er das doch gar nicht tun wollte. Yeah.

Okay, die Vampire stammen also aus dem Weltall (ich habe gerade allen Ernstes „die Aliens stammen aus dem Weltall“ geschrieben. Nicht falsch, aber irgendwie passte es gerade nicht). Nette Idee, so an und für sich, nur dass ich die Erklärungen ziemlich an den Haaren herbeigezogen finde.
Listen wir mal auf:
1) Vor ca 1000 Jahren ist ein Raumschiff auf die Erde gestürzt. Die acht enthaltenen Aliens sind alles Männer, und sie können zwar problemlos unsere Atmosphäre atmen und scheinen auch zufällig fast die gleiche Physiognomie wie die Menschen aufzuweisen, aber leider, leider, ist nichts auf diesem Planeten für sie genießbar, außer menschlichem Blut.
Da frage ich mich doch, wie sie das herausgefunden haben und ob sie alle bis zu dieser Erkenntnis überlebt haben.
2) Die Aliens haben alle einen Gendefekt und können nur noch männliche Nachkommen zeugen. Äh, okay, und seit wann gibt es den Gendefekt? Wodurch ist er aufgetreten? Und wie, um alles in der Welt, gibt man einen Gendefekt weiter, wenn man sich nicht mehr fortpflanzen kann?!
3) O Wunder, es gibt Rettung: Aus nicht näher erklärten Gründen (ich nehme an, die Autorin hat bis heute keine Erklärung) gibt es einige wenige menschliche Frauen, die sich mit den Aliens reproduzieren können. Und praktischer Weise sind sie auch gleich entsprechend markiert, damit da ja keine Missverständnisse aufkommen: Sie tragen alle das gleiche Muttermal. Ob diese Frauen irgendwie miteinander verwandt sind, wird genauso wenig geklärt wie die Frage, ob es sich hier ebenfalls um etwas Genetisches handelt. Nachfahrinnen der Aliens können sie ja nicht sein, die können ja keine Mädchen.
4) Die ersten Aliens sowie die Vampire der ersten Generation haben ganze Populationen ausgelöscht in ihrem Blutdurst. Nette Idee, aber sie kommt mir auch nur so hingerotzt vor, halt als „hej guck mal, ich hab auch eine Erklärung für den Untergang von Atlantis und das Sterben der Maya“. Och nö, und nicht mal eine gute!
5) Blutdurst macht aus Vampiren Rogues. Oder anders: Blut = Nahrung = Droge. Wer zu viel isst, wird nicht etwa dick, sondern süchtig und mutiert. Warum auch immer, wenn ich zu viel esse, wird mir allenfalls schlecht und ich hab dann erstmal weniger Hunger. Aber bei den Gremlins gab es ja auch so komische Sitten.
6) Und letztendlich sind da noch die „guten“ Vampire, die die „bösen“ Rogues jagen und töten und sich natürlich nur von freiwilligen Spendern oder Bösewichten ernähren. Ach ja, gähn … Was wollte ich schreiben? Ich glaub, dass ich die Schnauze gestrichen voll hab von netten Vampiren! Nach dem NaNo sollte ich mir ernsthaft einen fiesen, bösen Vampirplot überlegen als Gegengewicht zu Twilight (gern gelesen), Lara Adrian (sieht man ja, wie gerne ich das gelesen habe) und dem ganzen Rest. Wo sind Dracula und Nosferatu, wenn man sie mal braucht?!

Ja … Die Frauen dürfen ihr Leben aufgeben und sich auf ewig mit den ach so tollen Vampirkriegern verbinden, und als Dankeschön bekommen sie dann Sex. Moment mal, Prostitution läuft doch eigentlich andersherum: Frau gibt Sex und bekommt dafür Geld und andere Aufwartungen. Aber na gut, wollen wir mal nicht so kleinlich sein!

Das Buch in drei Sätzen zusammengefasst: Fotografin entdeckt, dass es Vampire gibt, gibt ihr Leben auf und darf den Obervampir bis in alle Ewigkeit vögeln. Zwischendrin gehen Gebäude in die Luft und Vampire werden gekillt, außerdem stirbt eine Freundin der Protagonistin und alle anderen Freunde müssen halt damit leben, dass aus einer Vierer-Clique nun ein Duo wurde.

Oh, waren nur zwei Sätze. Egal. Was genau man sich unter den „Dunklen Häfen“ vorstellen kann, hab ich entweder verschlafen oder es wurde nicht näher erläutert, ob es sich um ganze Städte, unterirdische Stätten oder was auch immer handelt. auf jeden Fall ist es prima, dass Vampire das menschliche Gehirn so beeinflussen können, dass ganze Vampirkolonien unbemerkt bleiben. Außer natürlich von Gabrielle, klar.

Wer nach meiner zynischen Zusammenfassung trotzdem noch lesen will, was ich da verrissen habe (oder vielleicht gerade deshalb, weil es doch unmöglich so schlecht sein kann, wenn es der Auftakt zu einer bisher zehnbändigen Reihe ist und in den USA quasi über Nacht zum Bestseller wurde), hier sind die Daten:

Lara Adrian: Geliebte der Nacht
LYX, 2007
ISBN-10: 380258130X
ISBN-13: 978-3802581304
Taschenbuch, € 9,95
Kindle-Edition, € 8,99

PS: Immer, wenn ich schlechte Bücher auf meinem Kindle lese, ärgere ich mich, dass ich sie nicht physisch vorliegen habe, denn dann könnte ich sie wenigstens zum Flohmarkt tragen!

Rezension Cedars Hollow

Das Buch ist mir als Gratis-Download über Amazon in den Kindle zugeflogen, andernfalls hätte ich es vermutlich nicht gelesen.

Hazel lebt in der englischen Kleinstadt Cedars Hollow (hier frage ich mich bereits, warum deutsche Autoren ihre Geschichten immer in Amerika oder England ansiedeln müssen, ohne dass die Geschichte einen triftigen Grund dafür liefert) das normale Leben eines modernen Teenagers, als ihre Mutter brutal ermordet wird.
Mehr als einmal wird im Text erwähnt, dass diese mit blutig aufgerissener Kehle in einer Seitengasse gefunden wurde, und selbst der letzte Leser, der noch nie von Twilight gehört hat, begreift irgendwann, dass es sich wohl um den Angriff eines Vampirs handeln muss, nur Hazel, ihr Vater und die Polizei kommen natürlich nicht auf das Naheliegenste.
Okay, es gibt ja auch keine Vampire, daher ist das erstmal logisch.

Zwischen Hazel und ihrem Vater fallen im gesamten Roman ungefähr drei Sätze, einer davon lautet „wie geht es dir?“ und der andere „Gut.“ Ich habe schon Menschen in Trauer erstarren sehen, aber dass Vater und Tochter wochen-, ja monatelang nicht miteinander reden, nachdem die Frau respektive Mutter gestorben ist, halte ich selbst in der kältesten Familie für absolut unwahrscheinlich. Aber nun gut, weiter im Text.

Eines Tages trifft Hazel Dave, der hübsch, nett und charmant ist und sie auf einen Tee einlädt. Und er ist anders als die anderen … Noch jemand, der sich nicht an Twilight erinnert fühlt?
Dann wird sie von grausamen Alpträumen geplagt, in denen ein Rabe und ein Wolf eine Rolle spielen, und irgendwann werden Dave und sie auf dem Friedhof von einem Jungen angegriffen, der eben noch als Rabe auf einem Baum gelandet war und sich vor ihren Augen verwandelt. Der andere ist düster und abweisend und Hazel rennt davon.
Dave kämpft mutig um sein Leben und schleppt sich dann verletzt zu ihr, um ihr davon zu berichten, dass Corvus, der Rabenjunge, ihn töten will. Hazel hat von nun an Angst vor Corvus, bekommt aber aus Dave bezüglich der Verandlung nicht mehr raus als „davon darfst du nichts wissen.“
Hazel freundet sich immer mehr mit Dave an, stellt aber fest, dass sie nicht in ihn verliebt ist.

Eines Tages lauert Corvus ihr auf und erklärt ihr, sie solle sich von Dave fernhalten. Auf ihre Frage, ob er sie andernfalls töten werde, antwortet er sehr kryptisch, alles in allem scheint er ein ziemlich übler Typ zu sein. Zu übel, für meinen Lesergeschmack, da muss noch eine Wendung kommen.

In der Schule ist Hazel einsam, weil sie auf die stereotype Frage ihrer Freunde, ob es ihr gut ginge, immer nur mit „ja, klar“ antwortet und sich wundert, warum die nicht mal eine andere Platte auflegen.  Als ihre beste freundin fragt, ob ihr schon mal die beiden komischen Typen aufgefallen seien, die neuerdings an der Schule herumlungern, beste lügt sie diese an, und überhaupt verhält sich kaum ein Mensch in diesem Buch so, wie Menschen das üblicherweise tun.

Irgendwann gewinnt Corvus das Vertrauen von Hazel und überzeugt diese nun seinerseits, dass alles ganz anders und in Wahrheit Dave, der eigentlich Svarog heißt, der Böse sei. Warum er böse ist, lässt er im Unklaren. Natürlich, sonst wäre das Buch ja auch noch langweiliger und vorhersehbarer, als es eh schon ist. Corvus eröffnet ihr irgendwann, dass er ein Vampir ist und natürlich hat die liebe Hazel keine Angst vor ihm und seinen Freunden, sondern findet es ziemlich lässig, mit ihnen abzuhängen. Und natürlich hat Corvus eine Gruppe um sich geschart, die Menschen nicht töten, sondern rechtzeitig aufhören, sich zu nähren, damit ihre Mahlzeit, pardon, der Mensch, den sie gerade aussaugen, nicht stirbt.
Hazels beste Freundin wird ebenfalls ausgesaugt und überlebt, und natürlich kann Hazel nicht mal eins und eins zusammenzählen und versteht gar nicht, was die Bissmale am Hals der Freundin zu bedeuten haben.
Als sie dann später erfährt, dass Damon (hoppla, nun sind wir kurz zu Vampire Diaries abgedriftet!), der charismatische und immer gut gelaunte Vampir, der nachts gerne in Supermärkte einbricht und Chips klaut („he, ich lasse immer etwas Geld an der Kasse!“) sich von der Freundin genährt hat, kann sie ihm natürlich nicht böse sein und bittet ihn nur, das nie wieder zu tun. Nein, natürlich nicht! Dafür verknallen sich Vampir und Mahlzeit und sind am Ende des Buches ein glückliches Pärchen. Mampf.

Ich könnte ja noch lange weitermachen, aber sagen wir es so: Ich hatte Urlaub und genug Muße, das Buch bis zum Ende zu lesen, und immerhin wollte ich wissen, wie die Autorin alles auflöst. Dass sie alle Hinweise fünfmal gibt und die Figuren alle zu doof sind, um ihre eigenen Gedanken schon beim ersten Mal zu glauben, macht es ziemlich anstrengend, der sehr einfache Stil lässt einen  das Buch dafür in wenigen Stunden durchlesen. In diesem Fall ein echter Pluspunkt.

Am Ende ist Svarog/Dave tot, Hazel weiß nun, dass er ihre Mutter getötet hat, was Corvus ihr aus nicht verständlichen ehrenrührigen Gründen verschwiegen hat (vermutlich, weil ein „hey, halt dich von dem Typen fern, der hat Deine Mutter getötet“ zur rechten Zeit das Buch um locker die Hälfte gekürzt beziehungsweise den Rest der Handlung einfach überflüssig gemacht hätte), sie erkennen, dass sie zusammen gehören und Corvus dank ihr keine übermächtigen Blutgelüste mehr hat, er rettet sie nebenbei vor einer Beinahe-Vergewaltigung durch einen aufdringlichen Mitschüler und heilt ihre drohende Magersucht („seit dem Tod meiner Mutter bekam ich keinen Bissen mehr herunter“ Hand-an-die-Stirn-patsch), indem er seinen Vampirkumpel für sie kochen lässt („wir Vampire vertragen zwar keine menschliche Nahrung mehr und haben keinen Stoffwechsel, aber weil ich mal Koch werden wollte, klappt das bei mir doch noch“) und natürlich haben sie noch einen Verräter in der Gruppe und ein anderer opfert sich für Hazel, das tolle Menschenmädchen.

Kampfszenen sind statisch und enthalten haufenweise verschenktes Potential (da liegt stundenlang ein Silbermesser unbeachtet am Boden, aber erst im Nachhinein erfährt man, dass es ganz am Ende dann doch noch schnell benutzt wurde, Eine Gruppe greift an, aber der Einzelne ist natürlich immer im Vorteil und die Gruppe ist so nett und wartet artig, bis ein jeder von ihnen an der Reihe ist, anstatt ihn gemeinsam zu überwältigen) und ach ja, ich vergaß: Alle Vampire sind Gestaltwandler, was natürlich lässig und cool und für die Handlung so ziemlich unnötig wie ein Kropf ist und im Endkampf noch mal kurz aus dem Hut gezaubert wird.

Und damit man seine eigenen Vampire hat, haben diese halt Superkräfte, sind wahnsinnig schnell und stark und können sich verwandeln, dafür heilen ihre Wunden aber total schlecht und man kann sie eigentlich ziemlich einfach töten. Macht aber natürlich keiner, wäre ja blöd.

Diesem Buch hätte es sehr gut getan, wenn es vor der Veröffentlichung an Testleser gegangen wäre, die weder Schwestern, Freunde noch Eltern der Autorin sind und die Texte kritisch lesen und auf logische Fehler sowie Längen und unnötige Ausschweifungen hinweisen. Mal abgesehen davon, dass es schwer ist, etwas wirklich Innovatives zu erschaffen, wenn man im Strom eines erfolgreichen Buches schwimmen will (Twilight schimmert an allen Ecken und Kanten durch, leider ist der Stil der Autorin nicht ansatzweise so fesselnd wie der von Stephenie Meyer, über deren Bücher man sich sicher auch streiten kann). Ganz abgesehen davon wäre ein vernünftiges Lektorat hier Pflicht gewesen. Immerhin hat das Korrektorat gute Arbeit geleistet, bis auf die zu verschmerzenden üblichen zwei Tippfehler, die einfach mal durchrutschen, ist mir nichts aufgefallen.

Fazit: Die Autorin ist ambitioniert, aber bisher auf dem Niveau billiger Fanficton. Man kann nur hoffen, dass sie unermüdlich weiterschreibt, ihre Kritiker ernst nimmt und lernt, wirklich fesselnd zu schreiben, denn vielleicht ist eine Geschichte von ihr, die sich nicht an etwas bereits Vorhandenem anlehnt, eines Tages wirklich lesenswert.

Cedars Hollow von Charlotte Schäfer, Sieben Verlag, 2012
ISBN: 978-3-940235-73-2 (Taschenbuch)
978-3-864431-07-4 (e-book PDF)
978-3-864431-08-1 (e-book Epub)

Franka Rubus: Die Blutgabe

Noch ein Vampirroman? Ja, noch ein Vampirroman. Allerdings glitzert hier niemand, und sehr romantisch geht es auch nicht zu.

Zu Beginn folgt die Perspektive Red September 38.07, einem jungen Mann, der in einer Blutfarm lebt und dem es dort gut geht. Blutfarmen, das lernt man nach und nach, sind große Lebensbereiche der Menschen, aus denen man jedoch nicht einfach so ausreisen kann. Die Menschen werden gut versorgt und spenden als Gegenleistung ihr Blut, denn Vampiren ist es verboten, direkt von Menschen zu trinken. Die Vampire sind in gewisser Weise zivilisiert, leben in Städten und gehen ihrer Arbeit nach. Sie zerfallen tagsüber nicht zu Staub, sind aber lichtempfindlicher als Menschen, was sich im Laufe ihrer Lebenszeit steigert.
Und es gibt zwei Arten von Vampiren: Die Konservativen und die Progressiven, die in jungen Jahren unberechnbar und blutrünstig sind und erst im Laufe ihrer Entwicklung ihr Bewusstsein zurückerlangen und somit auch in die Gesellschaft integriert werden.
Dann gibt es noch die Bloodstalkers, eine kleine Gruppe von Vampiren und Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, junge Prograssive, sogenannten Bluter, zu töten, um die Verbreitung der Progressiven Art einzudämmen.
Red September gerät über Umwege an die Bloodstalkers, bei denen er seine Freundin Blue wähnt. Diese hat es jedoch nicht durch die erbarmungslose Stadt geschafft, ihr Verbleib ist ungewiss, und Red schließt sich den Bloodstalkers an, um stark zu werden und Blue zu finden und zu retten.

Im zweiten Teil folgt die Perspektive einer Gruppe Vampire, die in einer Forschungsstation versuchen, die Ursache des Progressiven Vampirismus zu finden. zu ihnen gehört auch Kris, der zugleich ein Bloodstalker ist und ein Doppelleben führt. Es bleibt lange unklar, wem seine Loyalität gehört.

Die Geschichte ist anders als bisherige Vampirgeschichten, sie ist wunderbar erzählt und scheut auch nicht vor wissenschaftlichen Komponenten, die gut recherchiert sind – anders als in vielen Thrillern, in denen die Logik häufig nur allzu schnell auf der Strecke bleibt, ist hier die Idee des wissenschaftlichen Aspektes des Vampirismus gut durchdacht und logisch geschildert.
Auch die düster angehauchte Welt, in der die Geschichte spielt, ist stimmig, die einzelnen Personen sind glaubhaft ausgearbeitet und ihre Handlungen nicht übertrieben.
Alles in allem hat mich das Buch gefesselt, und gerade, dass am Ende manches nicht bis in letzte Detail erklärt, sondern nur angedeutet wird, hat mir gefallen, denn der Leser behält die Möglichkeit, sich eigene Gedanken zu machen.

Für alle, die nach Edward & Co. mal wieder eine etwas düstere Vampirgeschichte lesen mögen und die vor Dark Urban Fantasy mit spitzen Zähnen nicht zurückschrecken, ist das Buch ein Genuss!

Einzig die Frage bleibt, warum deutsche Autoren ihre Geschichten so gerne in Amerika ansiedeln. Es hätte der Geschichte nicht geschadet, wenn sie statt in Kenneth, Minnesota, in Verden an der Aller oder in Castrop-Rauxel gespielt hätte. Aber das nur am Rande, denn unterm Strich bleibt ein lesenswerter, unterhaltsamer Roman einer jungen deutschen Autorin.