Crisis? What crisis?

In den letzten Wochen bin ich verstärkt zu dem Schluss gekommen, nicht schreiben zu können. Alles, was ich zusammengestoppelt habe, war Mist, die Dialoge platt, die Figuren eindimensional, die Themen uninteressant.
Dazu bin ich noch mit dem Porsche über die Autobahn des Schreibens gerast, anstatt den Feldweg zu nehmen und die Gegend zu erkunden.
Das alles sorgte für ernsthafte Überlegungen, ob ich es nicht einfach lassen sollte. Es gibt Dinge, in denen ich gut bin. Kosmetikherstellung, Tauchen, Zuhören. Schreiben? Gehört nicht wirklich dazu.

Diverse Gespräche mit anderen Autorinnen und vor allem einen entsprechender Eintrag im Tintenzirkel später, der mir sehr, sehr viel Anregungen gegeben hat (danke euch allen! :-*) bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es mir weniger an genug Phantasie zum Schreiben an sich, sondern am richtigen Ansatz für die Überarbeitung mangelt. Denn bisher sah Überarbeiten eigentlich immer so aus, dass ich alles blöd fand, was ich bisher geschrieben hatte und es dann kurzerhand komplett neu geschrieben habe. Was nicht dazu führt, dass der ursprüngliche Text besser wird, sondern nur dazu, dass man wieder einen mittelmäßigen Text hat, mit dem man nicht zufrieden ist.

Also habe ich heute mal ein bisschen nach Überarbeitungswerkzeugen gefahndet und bin auf der Seite von Andreas Eschbach gelandet, der sehr tolle Tipps zum Schreiben und Überarbeiten zusammengetragen hat. Danke an dieser Stelle dafür, denn nun sind die ersten beiden Szenen meines 2011er NaNo-Romans voller wilder lila Anmerkungen, aber ich bekomme ein Gespür dafür, wie man überarbeitet. Und dass man dafür den eigenen Text wieder und wieder nach immer neuen Kriterien durchlesen und überarbeiten muss. Vorzugsweise nicht am Monitor, sondern mit Stift und Lineal auf dem Ausdruck.

Meiner sieht jetzt wie gesagt ziemlich wild aus, aber ich werde es wagen und die ersten beiden Szenen jetzt nach diesen Ansätzen überarbeiten. Damit sind sie noch immer nicht perfekt, aber ich habe Draft 2. Mit dem ich dann weiterarbeiten kann, so dass dann ca. Draft 3 an Betaleser gehen kann.

Ganz nebenbei werde ich mit Conny Röser in Zukunft kleine Schreibübungen absolvieren, die wir dann gegenseitig durchsehen. Denn wir haben uns vorgenommen, den Nobelpreis zu gewinnen, wenn wir 60 sind, damit wir dann von dem Gewinn einen entspannten Lebensabend genießen – und natürlich weiter schreiben können! 😀
Gut, dass wir nicht im gleichen Jahr 60 werden, so dass wir gute Chancen haben, ihn beide zu bekommen. :p

Überarbeitung 20140422-01

Dann schauen wir mal, was das wird! Ich sollte vielleicht noch einen Whisky dazu einschenken. Oder einfach einen Tee. 😉 Der ist nur nicht so schön klischeebeladen.

Rezension Eine Handvoll Worte von Jojo Moyes

Ich habe im letzten Sommer bereits „ein ganzes halbes Jahr“ der Autorin gelesen und war positiv überrascht. Als ich im Herbst einen Bekannten in Erfurt besucht habe, fiel mir beim gemeinsamen Überfall einer Buchhandlung „Eine Handvoll Worte“ in die Finger, und ich musste es mitnehmen. Da mein Stapel ungelesener Bücher (SuB) nicht gerade klein ist, hat es nun eine ganze Weile gedauert, bis ich es gelesen habe.
Und es hat sich gelohnt.

Ellie ist Redakteurin der renommierten Zeitung Nation. Sie ist jung, erfolgreich, sexy – und hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Eines Tages fallen ihr durch Zufall zwei Briefe aus den 60ern in die Finger, die ihr Interesse wecken. Es scheint um eine ungewöhnliche Liebe zu gehen, und sie versucht, das Geheimnis dahinter zu lüften.

Jennifer Stirling ist Anfang der 60er eine junge Frau Ende 20, attraktiv, reich verheiratet und glücklich – bis sie auf Anthony „Boot“ O’Hare trifft, der ihre kleine heile Welt ins Wanken bringt und Gefühle in ihr weckt, die sie nicht für möglich hielt.
Und dann bringt ein Autounfall alles zu einem jähen Ende, und Jennifer muss mit dem Wissen leben, dass Boot und sie keine Zukunft haben.

Die Art und Weise, wie diese beiden Geschichten verknüoft sind, hat mir sehr gut gefallen. Den Anfang macht Ellie, und dann wird über einen langen Zeitraum Jennifers Geschichte erzählt, ab dem Unfall, dann in Rückblicken die Zeit mit Boot, und dann mit einem Sprung ein paar Jahre in die Zukunft.

Zurück in der Gegenwart sitzt Ellie, die glaubt, in dem verheirateten John die ganz große Liebe gefunden zu haben und sich mit aller Macht daran klammert, obwohl sie sich selber nur nicht eingestehen mag, dass sie nicht glücklich ist. Vielleicht ist sie deshalb so sehr an Jennifers Geschichte interessiert, dass sie versucht, nach all den Jahren die beiden tragischen Liebenden ausfindig zu machen, ohne zu wissen, ob diese überhaupt noch am Leben sind.

Immer, wenn man glaubt, dass man nun verstanden hat, wie alles zusammen hängt, überrascht die Autorin einen mit einer neuen unerwarteten Wendung, und doch gibt sie einem genug Futter, dass man auch immer mal wieder „wusste ich es doch!“ ausrufen kann.
Die Liebesgeschichte von Jennifer und Boot entwickelt sich langsam, fast zögerlich, aber man nimmt sie den beiden zu jeder Zeit ab. Und wie schon im ersten Roman der Autorin ist auch hier nicht alles geradlinig auf ein Happy End ausgerichtet. Am Ende ist alles gut, wie es ist, aber nicht unbedingt so, wie man sich das alles ausgemalt hat. Man leidet, fiebert, liebt und freut sich mit den Protagonisten, und ich konnte zum Ende hin das buch nicht mehr aus der Hand legen, bis ich endlich alle Fäden in der Hand hielt und wusste, was nun Sache ist.

Fazit: Wunderbares Popcornkino zum Lesen und Wegträumen. Und weniger kitschig, als man es vielleicht befürchtet, dafür herzerfrischend romantisch. Dass man ganz nebenbei eine Menge über die gesellschaftlichen Zwänge der 60er, über die Minenarbeiten in Afrika und über die Vertuschungen im Bereich Asbest erfährt, rundet den Roman wunderbar ab.

Sehr gerne gelesen, ohne jede ernsthafte Kritik. 5 von 5 Sternen.

Ein Hauch einer Idee

Ich bin gerade mitten zwischen lauter angefangenen Projekten, aber natürlich kommt eine neue Idee immer dann durch die Tür, wenn man eigentlich keine braucht.

Das, was da zaghaft klopft, will etwas Romantisches werden, mit ein bisschen Fantasy. Romantasy also. Mal sehen, ob ich das kann … Ohne kischig oder zu klischeelastig zu werden. Meine liebe Kollegin Conny Rösler warf mir ja lustig an den Kopf „ach, sie muss sich halt zwischen dem Vampir, dem Werwolf und was drittem entscheiden. Nach 200 Jahren mit dem Vampir: ‚Schatz, hab ich dir schon erzählt, wie ich damals …‘ – ‚Ja, ungefär 350 Mal.‘ Okay, ewig leben ist doof. Die Vorstellung, Hasen durchs Unterholz zu jagen und den Mond anzuheulen auch, also entscheidet sie sich für den dritten, von dem noch nicht bekannt ist, was er ist …“

Nein, Conny, so einfach mache ich es dir (und mir!) nicht, Vampire sind irgendwie ausgelutscht, Werwöle auch, aber ich weiß immerhin schon, was sie sein wird. Und möglicherweise ist sie das einzige etwas andere Wesen in einer ansonsten recht normalen Welt … Na gut, es wird keine Kopie unserer Welt, ich mag schon etwas Exotisches haben, aber was genau, muss ich noch herausfinden.

Daher der Plan für heute: Mein Tagewerk für meine Firma beenden, dann artig ein bisschen was im Haushalt schaffen und dann mal vorsichtig vorfühlen, wohin dieser Plot mich tragen kann. Sobald es sich denn um einen Plot handelt.

Rezension Phoenix – Tochter der Asche von Ann-Kathrin Karschnick

Das Buch habe ich vom Verlag als Rezensionsexemplar bekommen, man konnte sich per Mail bewerben, zehn Exemplare wurden als ebooks verteilt.

Da ich zuhause lieber physische Bücher in der Hand halte und das Cover eh so wunderschön finde, dass ich es mir gerne auch einfach mal so im Bücherregal anschauen möchte, habe ich € 10,00 aus eigener Tasche draufgelegt und mir die Taschenbuchausgabe zugelegt.

Fangen wir mal bei den Äußerlichkeiten an: Das Cover ist wunderschön gestaltet, sehr atmosphärisch und perfekt zum Inhalt des Buches passend – das klingt selbstverständlich? Ist es aber nicht. Ich habe schon Bücher gesehen, bei denen ich mich nach dem Lesen wirklich gefragt habe, wie Cover und Inhalt zusammen passen sollen.

Toll finde ich auch die Feder auf dem Buchschnitt, wahlweise in schwarz oder orange. Da ich mein Buch online bestellt habe, musste ich mich überraschen lassen und bekam eine schwarze Feder. Passt. 😉

Der Klappentext eine Mordserie in einem alternativen Hamburg. In dieser Welt gab es im Jahre 1913 ein fehlgeschlagenes Experiment, mehrere Kriege mit Amerika und den Wiederaufbau Europas durch die Saiwalo, eine Art überirdischer Wesen, die die Menschheit seit nun 120 Jahren regieren. Zudem war nicht Edison, sondern Tesla marktführend, was der Entwicklung der Technik eine deutlich andere Wendung gab als wir sie kennen.

Das alles klingt spannend und ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut!

Es beginnt auch gleich in medias res, Tavi, eine Phoenix, wie man schnell erfährt, ist auf der Flucht, und es gelingt ihr nur mit Mühe, die Drohnen, die sie verfolgen, abzuschütteln.
Tavi lebt mit ihrem Schützling Nathan zurückgezogen und gut verborgen vor den Saiwalo, die sie jagen und ihrer Habhaft werden wollen.

Auf der anderen Seite steht Leon, ein treuer Anhänger der Saiwalo und Mitarbeiter der Kontinentalarmee, der die Mordserie aufklären soll und dabei irgendwann unweigerlich auf Tavi stößt, die wiederum in diese Morde verstrickt ist. Er hält sie für die Mörderin, sie sieht in ihm vor allem den treuen Anhänger der Saiwalo. Dennoch müssen sie zusammenarbeiten, um den Mörder zu finden.

Was wirklich spannend klingt und eine tolle Hintergrundwelt bietet, ist leider, leider, in meinen Augen nur mäßig umgesetzt. Die Figuren bleiben blass, ich kann mich nicht recht in sie hineinversetzen, eine der Nebenfiguren verschwindet nach ca. 150 Seiten für den Rest des Buches und hat auch keine weitere Bedeutung mehr, eine andere stirbt, ohne dass es mich wirklich berührt hätte, obwohl diese Figur noch zu denen gehörte, die mir etwas näher standen – kurz: Die Idee ist brillant, die Umsetzung leider nicht.

Aber woran liegt es? Fangen wir mit den Formalia an:
Ich habe mir (leider erst) nach 100 Seiten einen Bleistift genommen und Randnotizen gemacht. Zunächst vor allem, weil ich entsetzt über das wirklich schlechte Lektorat und Korrektorat war – Kommafehler, die sich konsequent durch das ganze Buch ziehen und hätten bemerkt werden müssen, Satzteilleichen, die nach dem Umstellen eines Satzes übrig geblieben sind, Bezugsfehler, grammatikalische Blüten, aber auch ganz normale Tippfehler, wie sie in jedem Manuskript auftauchen (weshalb Verlage Korrektoren einsetzen), all das ist ärgerlich und geht eindeutig zu Lasten des Verlages.

Aber das alleine hätte mir das Buch nicht wirklich madig gemacht. Also schaue ich weiter, was mich gestört hat:
Immer wieder entspinnen sich Dialoge, die geradezu mutwillig von der Autorin nicht beendet werden, sondern die in Missverständnissen, Wut und Misstrauen enden. Leider aber nicht, weil die Figuren authentisch handeln, sondern vielmehr, weil die Autorin etwas andeuten, aber noch nicht aufklären wollte. Und man merkt es sehr deutlich. Das größte Missverständnis zwischen den beiden entsteht, weil er etwas bereut und sie wütend reagiert. Dabei haben sie kurz zuvor noch genau darüber gesprochen, und auch ein Mensch, der noch keine 2000 Jahre lebt, hätte den Bezug gefunden – ich als Leserin hatte ihn sofort und habe völlig irritiert reagiert, als sie weder darauf kommt, was ihn abgeschreckt hat, noch er in der Lage ist, es zu erklären. Stattdessen stammelt er sinnloses Zeug und sie zieht wütend ab.

Genau das ist ein riesengroßes Manko des Buches: Immer, wenn es spannend wird, zieht sich die Autorin aus der Affäre. Es gibt Andeutungen, aber keine Klärung. Sehr viele Dialoge verlaufen nach dem Schema A fragt etwas, B gibt eine unpassende Antwort, A nimmt es einfach hin, anstatt nachzuhaken. Das funktioniert in beide Richtungen und macht mich kribbelig, weil ich nicht so funktioniere und die meisten Menschen in meiner Umgebung auch nicht. Wenn ich auf die Frage nach der Uhrzeit mit „Mittwoch“ antworte, sagen meine Freunde in den seltensten Fällen „okay“, sondern fragen, ob ich bitte mal die Frage korrekt beantworten könne.

Generell sind die Dialoge oft so geschrieben, dass ich überlege, ob jemals Menschen so sprechen. Laut vorgelesen lautete die Antwort oftmals: Nein.

Die Nebenfigur, die eh irgendwann nicht mehr auftaucht, hat ein weiteres Manko: sie ist zu jung. Es handelt sich um Leons Kollegen, der recht früh im Text als Siebzehnjähriger beschrieben wird. In meiner Welt ist er damit noch ein Azubi, in dieser anscheinend nicht, Okay, das kann ich gerade so gelten lassen, aber die Art und Weise, wie er spricht und handelt, lässt eher auf einen jungen Mann Anfang 20 schließen, der wiederum ziemlich kindisch ist. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, warum er so seltsam gezeichnet wird, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen.

Während Tavi wenigstens noch recht stringent in ihrer Handlung dargestellt wird, ist Leon ein Spielball der Umstände. Auf der einen Seite ein ach so treuer Kontinentalarmeeler, auf der anderen Seite aber auch an Tavi so weit interessiert, dass er sich auf ihre Bedingungen einlässt. So weit, so gut. Aber ich nehme ihm weder die Gesetzestreue ab noch die Gefühle für Tavi. Es wird mir erzählt, aber nicht vorgelebt. Leon begeht einen riesigen Verrat, den Tavi ihm geradezu mit einem Schulterzucken verzeiht. Er plant es die ganze Zeit, er freut sich diebisch über seinen bevorstehenden Fang, und gleichzeitig mag er Tavi und fühlt sich zu ihr hingezogen. Was wunderbaren Stoff für innere Konflikte geboten hätte, wird leider einfach sinnlos verheizt.

Und Katharina, die Seherin / Hexe, sieht nur das Gute in Leon und erkennt nicht, mit welchen Absichten er wirklich unterwegs ist? Tut mir Leid, auch hier hakt es an allen Ecken und Enden.

Ich habe mich mehrfach gefragt, ob ich überhaupt wissen will, wie es ausgeht. Die letzten 30, 40 Seiten habe ich tatsächlich mit etwas mehr Begeisterung gelesen, weil es im Showdown dann doch recht spannend wurde, aber auch hier fehlten mir zum einen Emotionen und zum anderen die „Kamera auf der Schulter“, die einen mitten ins Geschehen führt. Kurzfristig ist sie da, zeigt mir die Kämpfe auf Leben und Tod, um dann gleich wieder rauszuzoomen und mir nur einen groben Überblick zu verschaffen.

Dann kommen oft Sätze vor, die einfach Tatsachen beschreiben. „Es war ein nackter Fuß. Der Mensch trug keine Schuhe.“ Da habe ich an den Rand gekritzelt, dass das eine das andere bedingt. Es ist redundant, ein weißer Schimmel, als Lektor hätte ich eine der beiden Formulierungen gnadenlos gestrichen.

Oder es wird davon berichtet, dass Dinge in Vergessenheit geraten sind – wie kann man dann von ihnen wissen? Auch die Perspektive ist nicht immer stimmig. Zwar wechseln Leon und Tavi sich mit der Persoektive ab, doch ist nie ganz klar, ob diese nun auktorial oder personal ist – und oft genug passiert der Fehler, dass Tavi „weiß“, was in Leon vorgeht und umgekehrt. Das ist ein Bruch in der Perspektive. Sie darf mutmaßen, sie darf anhand seiner Reaktionen darauf tippen, was er denkt und fühlt, aber ein Satz wie „Leon spürte Wut in sich aufsteigen“ (der nicht wortwörtlich auftaucht, es ist ein Beispiel für einige dieser Patzer) kann nicht in einem Abschnitt stehen, der aus Tavis Sicht verfasst ist.

Mir tut es in der Seele weh, dieses Buch zu verreißen, weil ich der Autorin eine gute Rezension von Herzen gegönnt hätte, zumal sie mit Herzblut und sehr viel Liebe geschrieben hat (ich weiß es, da ich sie kenne), aber ich mag nicht unehrlich sein. Und keine Rezension zu schreiben, wenn man ein Rezensionsexemplar erhalten hat, käme mir auch falsch vor.

Für die Idee an sich, für die alternative Welt, die sie erschaffen hat, und für manche Szenen, die mir (auch wenn es bisher nicht so klang) gut gefallen haben, vergebe ich zweieinhalb von fünf Sternen. Da ich aber das Buch als Gesamtheit bewerten muss, kommen noch zwei für das tolle Cover hinzu, deutlicher Abzug aber für Lektorat und Korrektorat, die kaum vorhanden waren.
Um es klarzustellen: Es handelt sich nicht um einen Tippfehler hier und da. Ich habe im Schnitt auf jeder dritten Seite einen Fehler gefunden. Und das ist eindeutig deutlich über der Toleranzgrenze.

Alles in allem also zwei Sterne. Und der gut gemeinte Rat an den Verlag, sich ein vernünftiges Lektorat zuzulegen. Denn dieser Roman hat so viel Potential, das verschenkt wurde, dass ich nur hoffen kann, dass im zweiten Band einiges besser gemacht wird.

Ann-Kathrin Karschnick: Phoenix – Tochter der Asche
papierverzierer Essen, 2013
€ 14,95 (TB) / € 4,99 (ebook)

Something new …

Hmpf. Ich neige noch immer dazu, den Kopf in den Sand zu stecken, wenn ich mich mit einem Roman verfahren habe. Nur, dass ich so keinen fertig bekomme, und auch nicht unbedingt besser werde.

Aus diversen Ideen, die durch meinen Kopf geistern, habe ich eine herausgepickt, die mich gerade mehr anspricht und beschäftigt als andere. Ich habe begonnen, sie zu skizzieren und bin gespannt, wie es weiter geht.
Dieses Mal werde ich erst die Figuren beschreiben, herausfinden, wer sie sind, wie sie ticken und fühlen, woher sie kommen, was sie antreibt. Dann werde ich einen groben Fahrplan erstellen, wohin ich mit meiner Geschichte will und wohin nicht, welche Art von Szenen wichtig ist und was getrost ausgelassen werden kann, und erst dann, wirklich erst dann, werde ich anfangen, zu plotten.

Was bedeutet, dass mal wieder ein Notizheft daran glauben musste und nun den Skizzen für einen Roman mit dem Arbeitstitel „L’Amour“ ein Zuhause geben darf. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Die Liebe wird eine Rolle spielen, aber auch all ihre Freunde, die Eifersucht, der Neid, die Moral und der Hass. Und die Freundschaft, ohne die vieles nicht möglich wäre.

Mögen die Spiele beginnen.

Schreiben 20140322

Rezension Im Sog der Gefahr von Toni Anderson

Das Buch kam durch einen glücklichen Umstand zu mir: Meine Schriftstellerkollegin Cornelia Röser, die sich inzwischen auch als Übersetzerin einen Namen gemacht hat, fragte, ob ich ihr mit ein paar Tauchvokabeln behilflich sein könne. Natürlich konnte und wollte ich, und so hatte ich vor ein paar Wochen plötzlich und unerwartet ein Belegexemplar im Briefkasten mit einer sehr lieben Widmung. 🙂

Nun bin ich ja bekennende Erotik-Leserin und mache mich immer wieder gerne über Romantasy her. In diesem Fall keine Fantasy, sondern Romantic Thrill, also ein Krimi mit romantisch-erotischen Zügen.

Der Roman spielt auf Vancouver Island, wo ich vor 14 Jahren einen Teil meines Sommerurlaubs in Kanada verbrachte, und es war wunderschön, Ortsnamen zu lesen, die mir etwas sagten und die Bilder in meinem Kopf noch lebendiger gestalten zu können als sonst beim Lesen.

Die Story ist schnell erzählt: Die junge Polizistin Holly Rudd wird nach Bamfield gerufen, als der dort ansässige Tauchlehrer Finn Carver bei einem Tauchgang zu einem bisher unbekannten Wrack gemeinsam mit seinem Ziehvater eine Leiche entdeckt. Holly fühlt sich zu Finn hingezogen, dieser sich auch zu ihr – und anders als erwartet dauert es eine ganze Weile, bis sie sich das auch eingestehen, was mir den Lesegenuss definitiv erhöht hat!
Holly stößt im Ort auf Ablehnung und verschlossene Türen, und auf ein Geheimnis, das ihr Leben gehörig auf den Kopf stellt.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen, habe manches schon sehr früh geahnt, aber dennoch 30 Seiten vor Schluss gerätselt, wie all die losen Fäden am Ende sinnvoll gebündelt werden sollen, und ich wurde nicht enttäuscht: Nicht nur die Liebesgeschichte ist glaubwürdig aufgebaut, sondern auch der Kriminalfall überzeugt. Nicht alle Figuren sind super plastisch ausgefeilt, der ortsansässige Bösewicht ist nah am Klischee und auch ein, zwei anderen Randfiguren fehlt es ein wenig an Tiefe, aber die Hauptfiguren haben mir gefallen, sie wirkten glaubwürdig und echt.

Als Taucherin lese ich natürlich doppelt kritisch, wenn es ums Tauchen geht. Nicht alles ist völlig überzeugend, aber man merkt, dass die Autorin Ahnung von Fach hat und für die kleinen Unschärfen (niemand, der bei Verstand ist, nimmt eine blutige Anfängerin mit auf einen Dekotauchgang in ein Wrack!) hat sie zumindest im Text plausible Erklärungen. Ich würde dem unwissenden Leser gerne ein „don’t try this at home“ in eine Fußnote schreiben, gehe aber mal davon aus, dass gesunder Menschenverstand durchaus noch nicht ausgestorben ist.
Und dass die blutige Anfängerin in aller Seelenruhe und anscheinend perfekt tariert Fotos vom Toten macht – nun ja, das ist entweder dichterische Freiheit oder einer der tausend Ausnahmetaucher, die auf Anhieb wissen, wie man tariert, ohne den Grund aufzuwirbeln. 😉

Und weil ja auch immer vieles an der Übersetzung hängt, möchte ich auch hierzu ein paar Sätze loswerden: Ich habe das englische Original nicht gelesen und kann daher die Übersetzung nur anhand ihrer selbst beurteilen, aber die hat mich überzeugt. Atmosphärisch dicht, teils poetisch, nie kitschig und mit einem guten Gefühl für Feinheiten. Auch die unterschiedlichen Menschen kommen durch ihre Sprache in ihrer eigenen Art zu Wort.
Gerade die erotischen Szenen sind mit gutem Fingerspitzengefühl übersetzt und kommen weder tumb noch lächerlich rüber, was man ja leider manchmal in Übersetzungen findet, weil der deutschen Sprache einfach die positiv konnotierten Synonyme für Geschlechtsorgane ausgehen.

Gerne gelesen, und auch wenn es eher ein Buch für „zwischendurch“ ist, bekommt es von mir vier von fünf möglichen Punkten.

Mühsam nährt sich das Eichhörnchen

Diesen Monat ist das Schreiben zäh. Ich habe viel anderes zu tun, meine kleine Firma braucht Zuwendung, es stehen Möglichkeiten ins Haus, in ein oder zwei Printmedien mit meinen Produkten vorgestellt zu werden, und auch meine Wohnung schreit nach Aufmerksamkeit.

Aber dennoch habe ich es bisher geschafft, auf der Immergrünliste zu bleiben, wenn auch nur mit dem guten alten Trick, hin und wieder einfach mal das Manuskript zu wechseln beziehungsweise innerhalb des Manuskripts einen Zeitsprung zu machen mit der Notiz, die fehlenden Szenen nachzutragen.

Mit Aeon Timeline hab ich mich recht gut angefreundet, allerdings werde ich es demnächst kaufen müssen, weil die Testlizenz nur 20 Tage (effektive Arbeitstage, keine 20 Tage am Stück) umfasst. Aber vermutlich werde ich das tun. Auch wenn die Möglichkeiten, die „Papyrus Writer“ bietet, mir derzeit auch sehr verlockend erscheinen und die neue Version auch eine Timeline enthält. Aber nachdem ich erst vor gut einem Jahr von Ulysses auf Scrivener umgestiegen bin, möchte ich eigentlich ungerne schon wieder ein neues Programm nutzen. Die Umstellung dauert ja auch immer ihre Zeit, und ich habe noch längst nicht alle Funktionen des Scriveners entdeckt. Dennoch reizt mich die Stilanalyse von Papyrus, so dass ich vielleicht eines Tages beides nutzen werde – eines zum Schreiben und eines zum Überarbeiten.

Derzeit habe ich parallel Tania nach Bali geschickt, wo sie mit ihrer wenige Monate alten Tochter Fuß zu fassen versucht, und auf der anderen Seite hat Martin gerade von Tanias Schwangerschaft erfahren und muss sich entscheiden, ob er Tania und das Baby will oder beide aus seinem Leben wirft. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, und er ist verdammt zerrissen.

Es macht Spaß, diese Szenen zu schreiben. Seine Verzweiflung, seine Wut, seine Enttäuschung greifbar zu machen, und auf der anderen Seite in meinen Erinnerungen zu schwelgen und Bali bunt und sichtbar für den Leser zu gestalten. Ich fürchte zwar, dass am Ende viele der Szenen dem Rotstift zum Opfer fallen werden, aber das ist wohl bei den meisten Projekten so – und wer weiß, vielleicht führe ich ja mal den „Director’s Cut“ in der Literatur ein? 😉

Rock’n’Roll, Baby!

Tada – ich habe heute mein Monatsziel für Januar um 326 Wörter übertroffen! Damit habe ich in diesem Monat bisher 21.159 Wörter geschrieben und freue mir gerade ein Loch in den Bauch. 🙂

Nachdem ich mit Aeon Timeline meine Szenen neu sortiert und dabei das Plotloch gefunden und gestopft habe, läuft es auch wieder. Ich hab noch eine Szene, die dringend umgeschrieben werden muss, weil sie sich jetzt auf einen zustand bezieht, der nicht mehr aktuell ist, aber das wird schon. So langsam macht der Roman wirklich Spaß, auch wenn ich weiß, dass die Überarbeitung extrem anstrengend werden wird, weil einfach schon wieder sehr viel Geschwafel drin ist, das raus muss, und dafür gibt es andere Szenen, die einfach mehr Atmosphäre und mehr Wörter benötigen. Aber das ist kein aktuelles Problem und wird behandelt, wenn es so weit ist.

Für die nächsten Tage steht die Überarbeitung der Kurzgeschichte auf dem Plan, damit ich sie zum 31.01. einreichen kann. Mal schauen, ob ich es schaffe, sie überzeugend genug zu gestalten, im Moment zweifel ich mal wieder daran. Wie schrieb eine Kollegin heute so treffend? Wenn sie zweifelnd in die Tischkante beißt, weil alles keinen Sinn ergibt, tröstet ihr Protagonist sie und fragt, ob sie Sekt, Sex oder Schokolade benötige. Bitte in der Reihenfolge, danke. Ja, für mich dann auch einmal, bitte! Wobei ich den Sekt durchaus durch einen guten Single Malt ersetzen würde. 😉

Letztendlich ist Schreiben wie jede Tätigkeit: Man lernt nur durch Übung. Und daher werde ich dieses Jahr nutzen, um fleißig zu üben, damit ich vielleicht irgendwann gut genug bin, um auch mal etwas zu veröffentlichen. Ein weiser Mann hat gesagt, man soll seine Ziele ruhig hoch stecken, denn sonst erfordere ihre Erfüllung ja keine Anstrengung. Recht hat er, also habe ich das Ziel, am Ende des Jahres drei bisher unbearbeitete und teils unfertige Romane fertig überarbeitet vor mir liegen zu haben, dazu vielleicht noch einen oder zwei neue (die dann im Rohzustand sein dürfen) und eine Handvoll Kurzgeschichten für Wettbewerbe.
Es gibt viel zu tun, gehen wir es an!

Wenn es nicht läuft, einfach mal was anders machen

Den Spruch aus dem Titel des heutigen Eintrags hat mir vor gut vier Jahren meine Standnachbarin auf dem Weihnachtsmarkt mitgegeben. Und er passt nicht nur zum Verkaufen, sondern eigentlich in allen Lebenslagen.

Was ein paar Tage nicht lief: Der Fortgang von „Bis ans Ende der Welt“. Meine beiden Hauptfguren trennen und versöhnen sich in einem fort, aber es wurde zum einen langsam unglaubwürdig, und zum anderen entstand ein riesiges Plotloch, das es zu füllen galt.
Zuerst habe ich die Kurzgeschichte eingeschoben, was schon mal eine gute Idee war, um den Kopf frei zu bekommen. Dann habe ich ein bisschen mit anderen Kreativen gebrainstormt („mein Gehirn gestürmt“), aber auch das hat mich alles nicht so ganz überzeugt.
Vor drei Tagen kam dann schlagartig die Erkenntnis: Ich muss einen Teil der Handlung deutlich vorziehen, damit es funktioniert. Und Aeon Timeline ist auch dabei eine gute Hilfe. Aktuell schreibe ich die Szenen, die ich vorziehe, um sie dann einzusortieren und den Rest umzustellen. Das wird noch ziemlich spaßig, aber das Wichtigste ist geschafft: Ich habe den Plot wieder im Lot und weiß, wie ich dorthin komme, wohin ich will.

Und für heute bin ich grün und das auch noch bis zum 24.01. Ich mag es, ein Polster zu haben und hoffe, dass ich es demnächst auch wieder etwas weiter ausbauen kann. Irgendwann muss ich die fertigen Texte ja auch mal überarbeiten, und dann komme ich sicher nicht so viel zum Schreiben, wie ich gerne will und auch müsste.

Da guck, ein Ende!

Meine kleine feine Kurzgeschichte hat soeben ihr Ende bekommen. Und ich freue mich tierisch, weil sie sehr viel Spaß gemacht hat und ich endlich mal wieder etwas beendet habe (der letzte Text, der ein Ende bekommen hat, ist im August 2012 entstanden).

Natürlich muss ich sie noch gut überarbeiten, noch ein paar Dinge recherchieren und ein paar zu beschreibende Sätze durch mehr Action ersetzen, aber immerhin: Ein Ende. Und das nach nur drei Schreibtagen. Manchmal fluppt es!

Insgesamt habe ich in diesem Monat bisher 10.641 Wörter geschrieben, das ist etwa die Hälfte des angestrebten Monatspensums. Ich liege also gut im Rennen! Ich könnte eine komplette Woche nichts schreiben und wäre noch immer im Soll. Nicht, dass ich das vorhabe, aber es tut gut, ein kleines Polster zu haben. Mal schauen, wie lange ich das noch weiter ausbauen kann, die wunderbare Tabelle von Maja Ilisch ist jedenfalls eine geniale Hilfe, da sie die Zellen grün färbt, wenn man sein Tagessoll erreicht hat – Motivation pur!

Morgen werde ich mich dann mal um das Plotloch in „Bis ans Ende der Welt“ kümmern und es hoffentlich überbrücken, so dass ich schnell zu dem Teil des Romans komme, auf den ich mich besonders freue: Tanias Ankunft auf Bali und ihre Zeit dort. Auch das dürfte reichlich Wörter bringen, weil meine Eindrücke noch recht frisch sind und gerne verarbeitet werden möchten.

Seit ein paar Tagen kämpfe ich mich nebenbei durch das Programm Aeon Timeline und beginne so langsam, es zu verstehen. Theoretisch kann es genau das, was ich immer gesucht habe: Detaillierte Timelines für jede Figur (und wenn nötig auch für Orte, Gegenstände etc.) anlegen mit Ereignissen, bei denen man dann auf einen Blick sehen kann, welche Figuren (Orte, Gegenstände) beteiligt waren.
Es ist sogar mit Scrivener kompatibel, wenn man ein Template installiert (habe ich erfolgreich geschafft), allerdings muss ich mein aktuelles Projekt dann in eine neue Datei kopieren, die auf diesem Template beruht. Aber wenn ich es nach und nach „rüberschaufle“, reicht das ja auch.