Wenn’s hakt, einfach mal was Neues machen

Nachdem ich gut wieder in den Romane reingekommen bin und immerhin schon 5,5k daran geschrieben habe, hing ich gestern fest. Das hatte zum einen den Grund, dass ich eine Plotlücke aufgetan habe, die mir beim Plotten nicht aufgefallen ist, zum anderen mit meinem Ehrgeiz, Scrivener mit Aeon Timeline zu verknüpfen, was dann zu einigen Stunden frustriertem „Hä?“ führte.

Jetzt hab ich wieder zwei getrennte Dokumente und trage händisch alles ein, dafür funktionieren sie beide. Besser!

Irgendwann kurz vor Mitternacht habe ich dann entschieden, dass es keinen Sinn macht, sinnlos drauflos zu schreiben, um das Plotloch zu kaschieren, da kommt eh nur Unfug bei heraus. Also lieber heute ausgeschlafen etwas plotten und dafür mal Ernst machen mit dem Vorsatz, an einigen Ausschreibungen in diesem Jahr teilzunehmen. So kam ich dann an die Ausschreibung des Amrûn-Verlages mit dem Thema „Zeitkollaps“. Wobei es nicht zwingend um einen Kollaps gehen soll, sondern um die potentiellen Auswirkungen von Zeitreisen auf die Geschichte.
Geschichte. Ich. diejenige, die ihrer Lehrerin in der zehnten Klasse beim Einzelgespräch sagte: „Eine Fünf? Cool, kann ich ausgleichen. Eine Sechs wäre Mist gewesen“, und gar nicht verstand, warum ihrer Lehrerin das so viel wichtiger war als ihr selber.
Aber gut. Ich habe gestern noch ein Ereignis gesucht (und gefunden!), das einen gravierenden Einfluss auf unser aktuelles Leben hat, das aber nicht so langwierig und umfangreich ist, dass man es nicht auf 20 Seiten beschreiben und etwas Hübsches daraus machen könnte. Und nun reist mein Zeitreisender auch schon in die Vergangenheit, um dort eigentlich „nur zu observieren“. Das kann ja nicht gut gehen, oder doch? Lassen wir uns überraschen!

Neues Jahr, neue Ziele

Nach langem Überlegen habe ich mich entschieden, in diesem Jahr wieder am sogenannten T12 im Tintenzirkel teilzunehmen.

Was ist der T12?
Ein Wettbewerb, der über ein Jahr läuft. Jeder setzt sich ein Wortziel, dass er bis zum 31.12. erreichen möchte, mindestens 250.000 Wörter, nach oben gibt es keine Grenzen (man berücksichtige die eigene Schreibgeschwindigkeit, die Menge an Zeit, die man erübrigen kann und den gesunden Menschenverstand …).

Mein Ziel ist bescheiden, ich habe die Mindestwortzahl gewählt. Das bedeutet, dass ich im Schnitt pro Tag 685 Wörter schreiben muss, was durchaus machbar ist. Nur die Konsistenz ist halt das, woran ich gerne mal scheitere. Und ohne Druck bin ich faul, aber meine Romane wollen nun mal geschrieben und beendet werden, und eine kleine ehrgeizige Stimme in mir murmelt auch immer wieder etwas von Veröffentlichungen. Also habe ich mich mit zwei tollen Kolleginnen und Freundinnen im Tintenzirkel zusammengetan, und gemeinsam kämpfen wir um Wörter, motivieren uns gegenseitig und helfen uns, wenn es bei einer mal hängt.

Bisher habe ich heute 905 Wörter geschrieben, aktuell an „Bis ans Ende der Welt“, weil das zum einen das Projekt ist, was noch am frischesten in meinem Kopf ist, und zum anderen, weil ich es einfach sehr mag und die Figuren darauf drängen, dass ich ihre Geschichte weiter erzähle.
Und es macht Spaß. Ich habe ein bisschen gebraucht, um wieder reinzukommen, habe die letzten Abschnitte noch mal gelesen und festgestellt, dass nicht alles Murks ist, was ich bisher geschrieben habe, und nun läuft es ganz langsam wieder an.

Schauen wir, wo ich in diesem Jahr lande. Dem Jahr des Aufräumens, dem Jahr der inneren und äußeren Ordnung. Vielleicht führt es ja auch mal wieder zu einer Veröffentlichung, ich werde jedenfalls auch an der einen oder anderen Ausschreibung teilnehmen.

Euch allen ein wunderbares Jahr 2014, sei es mit Schreiben oder anderen Dingen gefüllt!

NaNo 2013 – Tag 2 und 3

Gestern morgen hatte ich eine kurze Schreibsession mit immerhin ca 1000 Wörtern, abends dann einen guten Lauf, so dass ich letztendlich 3.734 Wörter für den Tag und 7.238 Wörter insgesamt hatte. Es macht unglaublich viel Spaß gerade!

Interessante Erkenntnis: Die männliche Perspektive gelingt mir wesentlich leichter als die weibliche. Bei ihr rutsche ich noch immer aus der personalen in die auktoriale Perspektive, was mir bei ihm wesentlich seltener passiert. Aber vielleicht musste ich auch einfach nur insgesamt wieder reinkommen, schließlich habe ich schon wieder seit Monaten nicht geschrieben. In jedem Fall macht es wahnsinnig Spaß, die beiden zu entwickeln und ihnen dabei zuzusehen, wie sie miteinander agieren. Dass mein Szenenplan teils nicht eingehalten wird, ist gar nicht so dramatisch, ich werfe ihn dann halt passend um. 😉

Da ich gestern Abend noch meinen Bus aus der Werkstatt geholt habe mit der Auflage, ihn an Wochenende zu fahren, um ggf. noch bestehende Mängel gleich Anfang der Woche auszumerzen, bin ich heute mittag kurzentschlossen ans Meer gefahren, habe mir eine Bank gesucht und geschrieben. 1647 Wörter wurden es, bevor dann doch die Finger kalt waren. Aber eine schöne Szene, die ich dann zuhause vervollständigt habe. Und ich merke, dass es mir gut tut, in einer andern Umgebung zu schreiben. Ich denke, ich werde das jetzt einfach häufiger mal machen, dass ich mit dem Bulli spontan irgendwohin fahre zum  Schreiben. Das Gute ist ja, dass ich notfalls auch problemlos im Bus schreiben kann, genug Platz ist ja, und ich hab sogar einen Kocher dabei und muss nur an Wasser und Tee denken.
Wenn ich dann beim nächsten Mal noch an die Kamera denke, kann ich auch bessere Erinnerungsfotos machen als heute mit dem Handy, aber immerhin habe ich ein bisschen die Stimmung einfangen können:

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Mein Ziel, mir übers Wochenende ein Polster von 10k anzuschreiben, habe ich auch erreicht. Und wenn ich so weitermache, dann lande ich am Ende eher bei 100k als beiden angestrebten 70-80, denn ich habe gerade mal die ersten beiden von 23 geplanten Kapiteln geschrieben. Uffz.

Es wurde übrigens recht erotisch in meiner Szene … Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird!

NaNoWriMo 2013 – Tag 1

Nachdem ich Donnerstag Abend das dringende Bedürfnis hatte, nur noch in die Badewanne und ins Bett zu gehen, habe ich mich doch um Mitternacht aufgerafft und reingeschrieben. Und es war eine gute Entscheidung! Gut 1170 Wörter später bin ich dann ins Bett gefallen.

Freitag Abend war dann NaNo-Session bei Hanna mit insgesamt sechs Leuten, und es hat erstaunlich gut funktioniert – Musik auf die Ohren und schreiben. Immer mal kleine Unterbrechungen, unter anderem für das Essen und um den Kater davon abzuhalten, Hände und Füße zu fressen, aber letztendlich stand ich mit 3501 Wörtern da. Je nach zählendem Programm auch 3504 oder 3506.

Ich habe das erste Kapitel fast fertig und merke, dass ich noch nicht wieder richtig im Schreiben bin, dennoch gelingen mir manche Szenen schon ganz gut. Ich muss nur wirklich mehr üben, stimmungsvolle Szenen zu schreiben, aber dafür ist das Projekt ja auch genau richtig.

Da ich bei der Challenge mitmache, am ersten Wochenende ein Polster von mindestens 10.000 Wörtern zu schreiben, habe ich auch heute etwa 3500 Wörter vor mir. Die erste Session beginne ich gleich, bevor ich mich für eine Weile in die große, verregnete Welt wage und mich um solch profanen Dinge wie den Einkauf kümmere. Und meine Unterlagen für den ITC abhole.

Meine Figuren entwickeln sich prächtig, wenn auch nicht ganz so, wie erwartet, aber auch das ist normal. Letztendlich habe ich eine grobe Richtlinie, an der ich entlangschreibe, und wenn die Figuren dieses Handlungsgerüst mit Leben füllen, soll es mir nur recht sein.

Nun denn – auf in die Schlacht, den Rest von Kapitel 1 und die ersten ein bis zwei Szenen von Kapitel 2, das dann aus Martins Sicht geschrieben sein wird. Ich bin gespannt auf seine Erzählstimme.

Kurz vor dem Start

Noch knapp zwei Stunden, bis der NaNoWriMo 2013 beginnt.

Nicht nur im Tintenzirkel ist bereits die Hölle los, da werden Plots in letzter Sekunde verworfen, Szenenlisten umgestellt, Figuren erhalten eine Geschlechtsumwandlung und der Antagonist macht eine Therapie und will nun zu den Guten gehören. Nein, auch auf Facebook lese ich überall Statusmeldungen über den „NaNo“, und ich selber habe mir anscheinend den Prä-NaNo-Blues eingefangen, denn gegen 18.00h wollte ich eigentlich nur noch ins Bett und die Welt ignorieren. Den KickOff in meinem Wohnzimmer habe ich abgesagt und mich stattdessen in die Badewanne gelegt, einen schönen und humorvollen französischen Film gesehen („Willkommen bei den Sch’tis“) und danach meine NaNo-Klamotten ausgegraben. O Schreck, das Shirt ist nicht auffindbar, aber der (das?) Hoodie ist dafür herrlich weich und bequem und in Verbindung mit Schlabberhose und Wollsocken nicht wirklich ein Party-Outfit – aber wen interessiert es? Wir haben Halloween, da darf ich gruselig aussehen! 😉

Und sonst so? Ich habe gerade 100g Physalis verputzt und ziemlich viel Kokosnuss, Lebkuchen stehen bereit und nachher werde ich eine heiße Schokolade in meinen NaNo-Becher füllen und ab Mitternacht die ersten Worte schreiben. Der Einstieg ist immer das Schwerste, finde ich, auch wenn mein Vater das Ende schwerer fand. Wir hätten zu Deinen Lebzeiten einen Roman gemeinsam schreiben sollen, Dad. Wir hätten uns die Schädel eingeschlagen, aber auch sehr viel Spaß gehabt.

Der Anfang also. Ich neige dazu, zu sehr zu schwafeln, zu viel erklären zu wollen, und meine Leser zu Tode zu langweilen. Dann wieder renne ich durchs Geschehen, anstatt die Szene wirken zu lassen, Kleinigkeiten zu erwähnen, Atmosphäre zu schaffen. Auch wenn das primäre Ziel des NaNo ist, die 50.000 Wörter irgendwie bis zum 30.11. zu schaffen, so ist meines doch ein anderes: Langsamkeit zu lernen. Nicht die Langsamkeit beim Schreiben (wobei auch die durchaus dabei helfen kann), sondern die Langsamkeit des Erzählens. Die Kunst, das Geschehen erst nach und nach vor dem Leser zu entfalten, ihm auch die wunderbaren Kleinigkeiten am Rande der Hauptszene zu zeigen, ihm das Gefühl zu geben, mittendrin zu sein. Das wird schwer, aber ich mag Herausforderungen.

Ich beginne mit einer Kneipenszene. Karaoke-Abend, ausgerechnet. Es wird also eher laut und fröhlich und ein wenig albern und übermütig sein, und dennoch muss das Knistern zwischen meinen beiden Hauptfiguren zu spüren sein, wenn sie sich heimliche Blicke zuwerfen und schließlich einen Schritt aufeinander zu machen und miteinander reden. Und nein, Tania gedenkt nicht, es Martin leicht zu machen. Wenn er sie will, dann muss er auch um sie kämpfen. Ich merke schon, dass ich mir da eine recht komplizierte Dame als Protagonistin angelacht habe, aber sie fasziniert mich auch und ich bin sehr gespannt auf all das, was noch kommen wird.

Heute Nachmittag lief mir Martins Ex zu, groß, blond und voller Kalkül – und dann zeigte sie mir ihre andere Seite. Ihre mitfühlende Seite, ihr großes Herz, das kein Tier leiden lassen kann, ihre Leidenschaft für Pflanzen, mit denen sie sogar spricht, und ihre kindliche Freude an Spielplätzen. Eigentlich ist sie nur eine Randfigur, aber ich glaube, sie wird doch auch einen kleinen Auftritt bekommen und nicht nur in Martins Erzählungen Raum finden.

Ich werde jetzt meinen Tisch noch ein wenig aufräumen und dann so langsam ins gemeinsame Hibbeln im Tintenzirkel und im NaNo-Board einsteigen. Noch immer bin ich völlig fasziniert davon, wie aus der Idee eines einzelnen Mannes, der 1999 beschloss, einen Monat Leerlauf zu nutzen, um einen Roman zu schreiben, eine weltweite Bewegung mit derzeit knapp 200.000 aktiven Schreibern (man muss seinen Account in jedem Jahr aktivieren, sonst wird man nicht gezählt) werden konnte. Das ist etwas, das mich wirklich beeindruckt. Selbst, wenn nur 10% ihren Roman fertig schreiben, sind das weltweit 20.000 neue Romane. Roh und unfertig, wie ein ungeschliffener Diamant, aber aus vielen wird später ein Juwel. Ich habe zwischenzeitlich mehr als einen Roman gelesen, der im NaNo entstanden ist, und ich war von allen begeistert!

NaNo 2013 – Bis ans Ende der Welt

Ja, hier war es lange still, zu lange.

Ich habe es nicht mal mehr geschafft, all die Bücher zu rezensieren, die ich gelesen habe, obwohl da wahre Perlen dabei waren. Ich werde versuchen, das eine oder andere nachzutragen.

Aktuell bereite ich mich mal wieder auf den NaNo vor. Mich sprang im letzten Urlaub auf Bali eine zaghafte Liebesgeschichte an, die sich während einer längeren Autofahrt vor meinem geistigen Auge ausbreitete. Ich mag Liebesgeschichten, aber sie dürfen nicht zu viel Zuckerguss enthalten. Also werde ich versuchen, genau diesen Spagat hinzubekommen – eine Liebesgeschichte, die nah genug an der Realität ist, um glaubwürdig zu sein, die aber trotzdem zum Träumen, Hoffen und Mitfiebern einlädt.

Ein winziger Einblick gefällig? Es geht um ein Paar Anfang, Mitte 30. Beide tragen Narben auf der Seele, und beide sind sich nicht sicher, ob sie sich noch einmal auf etwas einlassen wollen. Letztendlich siegt die Vernunft, und sie gehen getrennte Wege. Doch das klappt natürlich nicht lange, und so kommt es zu einem folgenschweren Wiedersehen. Während Tania mit der Situation nur fertig wird, indem sie sich so weit wie möglich von Martin entfernt, tötet dieser all seine Gefühle mit einem hohen Arbeitseifer – und letztendlich mit Alkohol.

Und natürlich wäre es keine Liebesgeschichte, wenn es nicht doch noch eine Chance für beide gäbe. Jahre später und mit einigen gravierenden Veränderungen in ihren jeweiligen Leben, stehen sie sich wieder gegenüber. Und ob sie noch eine Chance haben, werde ich im November herausfinden. Derzeit ist ein ganz vorsichtiges Happy End geplant, aber ob die beiden mir und sich das überhaupt gönnen? Und letztendlich gibt es noch ein paar mehr Figuren, die ein Rolle spielen werden und noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Ich bin tatsächlich gespannt, worauf ich mich da schon wieder eingelassen habe. Nebenbei höre ich gerade meinen Soundtrack zum Projekt, um mich ein wenig einzustimmen und meine grobe Kapiteleinteilung in feinere Szenen zu zerlegen. Blöd, wenn man teilweise nur eine Szene angedacht hat, für andere Kapitel aber einen ganzen Roman schreiben könnte. Da muss ich noch mal dran arbeiten, denn ich mag Kapitel, die wenigstens ansatzweise eine ähnliche Länge haben.

Übrigens werden beide im Buch zu Wort kommen, und ich bin sehr gespannt, wie mir die unterschiedlichen Erzählstimmen gelingen werden.

Alles in allem ein Projekt, auf das ich mich sehr freue! Und wie es ja oft so ist, wenn die Muse erstmal erwacht ist klopft ein neues Projekt sanft aber vehement an meinen Hinterkopf. Dafür habe ich mir gestern erstmal drei schmale Moleskine-Notizhefte besorgt, damit meine anstehenden Projekte ein hübsches Zuhause bekommen können und sich nicht vernachlässigt fühlen.

Ich grusel mich beim Schreiben

Nachdem ich die Woche über etwas faul war, sitze ich nun an meinem Text fürs Camp NaNoWriMo und bekomme langsam den einen oder anderen losen Faden zu fassen. Meine renitente Zwölfjährige zeigt auch andere Seiten, ihre Mutter bekommt langsam einen Grund für ihr seltsames Verhalten und mein Poltergeist … Nun, anscheinend hat er Futter bekommen, denn er macht seltsame Dinge. Mitten in der Nacht.
Als ich dann eben beim Schreiben eine Gänsehaut hatte, kam die nicht nur von den kühlen Temperaturen in meiner Wohnung (da sollten immerhin ca 20°C herrschen), sondern davon, dass ich mich ein bisschen zu sehr in die Szene hineinversetzt habe.
Ein gutes Zeichen, oder?

Ziel für heute: Doppelgrün, also nicht nur das Tagessoll, sondern auch das Monatssoll für heute zu erreichen (der Unterschied: Beim Monatssoll wird einfach die Anzahl der gesetzten Wörter durch die Anzahl der Tage geteilt, so dass es mit jedem Tag um die gleiche Menge ansteigt. Das Tagessoll errechnet sich aus den bis zum Monatsende noch zu schreibenden Wörtern geteilt durch die Anzahl der noch verbleibenden Tage). Da ich zwei Tage nichts und einen Tag nur 48 Wörter geschrieben habe, ist da einiges aufzuholen, aber die verbleibenden 954 Wörter schaffe ich bis heute Abend sicher auch noch.

Mal abgesehen davon, dass ich auch noch aufräumen und das Manual für meinen Tauchkurs durchgehen wollte, aber es ist ja erst 14.00h und der Tag hat noch ein paar Stunden. 🙂

Nebenbei arbeite ich auch noch an einem Beitrag für die „Legenden im Wind“-Ausschreibung des Mondwolf-Verlages. Der Abgabetermin ist zwar noch eine Weile hin, aber wenn man schon mal eine Idee hat, soll man sie besser gleich festhalten, sonst ist sie im Winde verweht. 😉

Camp NaNoWriMo

Ja, ich gestehe: Ich brauche anscheinend Druck, um regelmäßig zu schreiben. Oder überhaupt für alles, was ich mache, weil ich zu viel will und auch meine Tage nur 24 Stunden haben.

Der aktuelle Druck ist der kleine Bruder vom NaNoWriMo, das Camp NaNoWriMo. Anders als beim NaNo kann man nicht nur sein Ziel selber setzen, sondern man darf auch an bestehenden Projekten weiterschreiben oder mehrere Kurzgeschichten schreiben. Es geht also mehr und den Spaß am Schreiben an sich als um das eine große Ziel, so wie im November.

Ich habe mir das Ziel gesetzt, eine kleine nette Kurzgeschichte, die ich Dank eines guten Freundes begonnen habe und die quasi „seine“ ist, zu einem Kurzroman für Jugendliche auszuweiten. Nein, die Kurzgeschichte war auch noch nicht fertig, so dass ich noch freie Hand in der Gestaltung habe.
Nur so viel: Es geht um einen Poltergeist, um eine ziemlich renitente Zwölfjährige und um die Frage, warum Kinder unbedingt mit umziehen müssen, wenn die Eltern sich entscheiden, ihren Lebensmittelpunkt zu verlagern. Viel weiß ich selber noch nicht, nur eine grobe Marschrichtung und ein ungefähres Ende, aber das sollte reichen, um Spaß zu haben.

Da ich gestern nicht zum schreiben gekommen bin, habe ich heute (also, Dienstag, auch wenn die Uhr gerade umgesprungen ist) einen Schlag reingehauen und immerhin 1556 Wörter geschrieben. Da mein Ziel bei 20k liegt, bin ich damit für beide Tage im grünen Bereich.

Bin gespannt, wo Franka mich noch hinführt. Dass die Geschichte mal wieder in Kiel spielt, war klar, oder? 😉

Rezension Nullzeit

Juli Zeh war mir schon länger ein Begriff, allerdings hatte ich noch nichts von ihr gelesen.
Im Dezember erzählte mir jemand von Nullzeit, in der tauchen wurde darüber berichtet und immer wieder begegnete mir das Buch in der Buchhandlung, so dass ich es schließlich mitgenommen habe, als ich gerade ein bisschen Zeit hatte, durch Hamburg zu schlendern.

Die Sprache ist klar und knapp, kein Wort zu viel – und doch erschafft Juli Zeh mit diesem Minimalismus ganze Welten. Wenige Worte malen umfangreiche Bilder in meinem Kopf, so dass ich immer mal wieder beim Lesen innehalten muss, um sie auf mich wirken zu lassen.
Die Geschichte lässt sich knapp zusammenfassen: Sven ist vor 14 Jahren nach Lanzarote ausgewandert und hat dort gemeinsam mit Antje eine Tauchschule gegründet. Klein und fein ist sie, selten haben sie mehr als zwei, drei Gäste gleichzeitig. Während Sven sich ums Tauchen kümmert, ist Antje für alles Administrative zuständig, und auch, wenn es nicht die große Liebe ist, so haben sie doch ein gemeinsames Leben, in dem sie sich eingerichtet haben.

Bis Jola und Theo auf die Insel kommen. Jola ist Schauspielerin in einer Telenovela und will endlich eine ernstzunehmende Rolle, Theo ist Schriftsteller, der einen einzigen großen Roman veröffentlicht hat und seitdem an einer Schaffenskrise leidet. Jola will die Rolle der Lotte Hass, dafür muss sie tauchen können. Sven soll ihr und Theo in 14 Tagen alles beibringen, dazu noch rund um die Uhr als Fremdenführer bereitstehen. Als Gage bekommt er € 14.000.

Zunächst wirkt das Pärchen etwas exzentrisch und verschroben, ihre Beziehung ist von einer Hassliebe geleitet, die einem hin und wieder den Atem stocken lässt. Sven berichtet, was er erlebt, Jola schreibt Tagebuch, beides ist von der Autorin meisterhaft miteinander verwoben. Sven und Jola kommen sich näher, er bricht mit all seinen eigenen Regeln, nach und nach weichen ihm Freunde und Bekannte aus, doch er steigert sich immer mehr in die Hoffnung, Jola dazu zu bewegen, auf der Insel zu bleiben.

Während anfangs seine und ihre Sichtweise deckungsgleich sind, weichen sie im Laufe des Romans immer weiter voneinander ab, und der Leser fragt sich zunehmend, ob seine Sympathie für Sven denn wirklich richtig ist, ob nicht doch Jola diejenige sein könnte, deren Bericht der Wahrheit entspricht. Am Ende bricht alles auf eine Art und Weise zusammen, die man vielleicht kommen sah und die einem doch den Atem stocken lässt, und ich habe eine Weile einfach nichts getan und das Buch nachwirken lassen, als ich die letzte Seite hinter mir hatte.

Alles, was mit dem Tauchen zu tun hat, ist von Juli Zeh sehr gut recherchiert, was mich natürlich besonders freut, da es bereits genug schlecht recherchierte Romane auf dieser Welt gibt.

Alles in allem ein Buch, das mir tief unter die Haut gegangen ist und das ich mit Sicherheit noch einmal lesen werde, dann noch mehr auf die Feinheiten und die Unterschwelligen Andeutungen achtend.

Definitiv empfehlenswert!

Juli Zeh: Nullzeit
Schöffling & Co.
ISBN: 978-3-89561-436-1
€ 19,95, gebunden

Rezension Die Insel der besonderen Kinder

Das Buch wurde mir von einer Bekannten empfohlen, die es mit ihren Schülern gelesen hat. Da wir einen ähnlichen Geschmack haben, was Bücher angeht, habe ich es mir gekauft.

Die Geschichte wurde um eine reihe alter Fotografien gewoben, was eine wunderbare Idee ist (ich denke da nur an Walter Moers, der mit „Wilde Reise durch die Nacht“ den Kupferstichen von Gustave Doré ein neues Leben eingehaucht hat).
Jacob ist ein recht normaler Teenager im heutigen Amerika. Er ist nicht besonders beliebt, hat einen guten Freund, der ihn notfalls auch mal mit körperlicher Gewalt vor den Mitschülern beschützt und einen Großvater, der in jungen Jahren aus Europa eingewandert ist. Dieser erzählt ihm Geschichten aus seiner Jugend, aus dem Krieg und von dem Kinderheim, in dem er einen Teil des Krieges verbrachte und wo er glücklich war.
Die wenigen Fotos, die er aus der Zeit gerettet hat, sehen für Jacob mit zunehmendem Alter immer mehr nach Montagen aus. Da ist ein schwebendes Mädchen, ein Junge, der einen Felsbrocken hebt und ein gänzlich Unsichtbarer, den man nur anhand seiner Kleidung sehen kann. Jacobs Großvater Abe erzählt von diesen Kindern, als sei das alles real, und während Jacob als Kind noch gebannt an seinen Lippen hängt, wirft er als Sechzehnjähriger dem Großvater vor, sich das alles nur ausgedacht zu haben. Auch die Monster, vor denen der Großvater ihn warnt und um derentwillen er einen ganzen Schrank voller Waffen hat, entspringen Jacobs Ansicht nach nur der Phantasie des alten Mannes.
Als sein Großvater anruft und dringend um den Schlüssel für den Waffenschrank bittet, lügt Jacob und sagt, er wisse nicht, wo dieser sich befinde. Schließlich fährt er zum Haus seines Großvaters und findet ihn verletzt und sterbend im Wald, aus dem Augenwinkel sieht er ein schreckliches Wesen, das sich entfernt.

Von nun an muss Jacob sich mit einem Psychiater herumschlagen, der ihm helfen soll, das Trauma zu verarbeiten. Doch auch die seltsamen letzten Worte seines Großvaters gehen ihm nicht aus dem Kopf, und schließlich macht er sich mit seinem Vater auf, das Kinderheim zu finden, in dem sein Großvater vor sechzig Jahren untergebracht war.
Sie finden eine kleine irische Insel, skurrile Menschen und Jacob landet schließlich in der verfallenen Ruine, die einst voller Kinderlachen gewesen sein muss. Ein Koffer zieht seine Aufmerksamkeit auf sich, doch das Schloss ist als und verrostet. Seine Idee, den Koffer die Treppe herunterzuwerfen, um ihn zu öffnen, endet damit, dass der Koffer mit solcher Wucht im Erdgeschoss aufschlägt, dass er ein Loch in den morschen Boden reißt und im Keller zerplatzt.
Jacob traut sich hinab, udn während er im Dunklen nach dem Inhalt tastet und weitere Bilder findet, tauchen über ihm Kinder auf und fragen, ob er Abe sei, der zurückgekehrt ist. Jacob folgt den Kindern, die vor ihm fliehen, und muss erkennen, dass nichts gelogen war von dem, was sein Großvater erzählte. Er folgt den Kindern in den Sommer 1940, wo sie immer und immer wieder den gleichen Tag erleben – als einzige jedoch in fortlaufender Folge, so dass sie sich an die Tage erinnern können und jeden Tag aufs Neue frei sind, das zu tun, wonach ihnen ist.

Jacob wird zunächst misstrauisch beäugt und dann zunehmend in die Gemeinschaft integriert, doch er will sein Leben und seine Eltern nicht vollständig zurücklassen. Was er jedoch nach und nach über die Welt dieser Kinder erfährt, die alle eine besondere Begabung haben und sich daher vor den Menschen ohne diese Begabungen verstecken, lässt ihn immer enger mit deren Welt verschmelzen. Und dann müssen sie gemeinsam gegen die Monster kämpfen, die den Kindern nach dem Leben trachten, und Jacob muss sich entscheiden, wohin er gehört …

Das Buch ist spannend, wunderbar geschrieben und rankt sich wunderbar um die alten Fotografien. Allein das Ende hat mich etwas enttäuscht, denn es wirkt, als habe der Autor keine Lust mehr gehabt und wolle schnell fertig werden. Auch im Kampf gegen die Monster, die Hollowgasts, stellen die Kinder sich teilweise schlechter an als sie könnten – wenn vier besondere Begabungen zusammenkommen und darunter eine „übermenschliche Kraft“ lautet, dann sollten die Kinder nicht panisch davonlaufen, sondern tun, was sie aussprechen: Dem Monster die Zähne einschlagen und es fertigmachen.

Am Ende ist so vieles offen, dass ich davon ausgehe, dass der Autor eine Fortsetzung geplant hat. Auf der einen Seite finde ich das gut, weil ich einfach wissen will, wie es mit Jacob, Emma, Millard, Miss Peregrine und all den anderen weitergeht, auf der anderen Seite wünsche ich mir auch einfach mal wieder Bücher, die in sich abgeschlossen sind. Derzeit scheint eine Trilogie-Seuche zu grassieren, und wenigstens eine Fortsetzung ist inzwischen Standard.

Alles in allem bekommt das Buch von mir acht von Zehn Sternen und ich empfehle es gerne weiter.

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder (Original: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children)
Pan Verlag, 2011 (Knaur-Gruppe)
ISBN: 978-3-426-28368-4
410 Seiten, gebunden